Millionen für ’ne App – Startups: Cash-Cow oder Pferdewette?

Millionen für ’ne App – Startups: Cash-Cow oder Pferdewette?

Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch alle Online-Medien, ein 17-jähriger habe von einem namhaften Suchdienst 30 Mio. Dollar für eine App erhalten, die News zu kurzen Sätzchen zusammenfaßt, damit man sie auf Smartphones besser lesen kann. Allerdings müsse der Junge seinen Verdienst mit Yoko O., Rupert M. u.a. illustren Investoren teilen. Wenn die beiden und das Finanzamt ihren Anteil genommen haben, darf der Junge sicher froh sein, wenn er sich für den Rest noch einen Gebrauchtwagen kaufen kann. Meine grundsätzliche Frage zur App als solcher wäre hier, ob man denn als gut informierter Mensch gelten dürfe, wenn man von allen News nur die Überschriften herbetet. Sicher ist, dass man mit Hilfe einer solchen App in der Kneipe mitreden kann.

Haben wir bereits eine deutsche Startup-Flaute, weil solche Meldungen lanciert werden? Ungefähr vergleichbar mit einer Zunahme von Berichten über glückliche Lottogewinner, sobald weniger Leute Lotto spielen…

„Los – Ihr Startup-Unwilligen: Stürzt euch doch endlich in ein ‚eigenes‘ Unternehmen und strebt nicht nach einer sicheren Festanstellung im ‚Großkonzern‘!“

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Start-up Unternehmen haben viel von einem teuren und riskanten Glücksspiel

 

“Das Glücksspiel kann in zwei separate Formen unterschieden werden: kostenintensives Glücksspiel mit sozialer Komponente und physischer Anwesenheit des Spielers, beispielsweise Pferdewetten, sowie anonymes preiswertes Glücksspiel wie Lotto.” (Wikipedia)

 

Ein Internet-Startup-Unternehmen hat sowohl für den Gründer als auch den Investor den Charakter eines  kostenintensiven Glücksspiels mit sozialer Komponente und physischer Anwesenheit der Spieler (Gründer und Investoren).

Mit einem entscheidenden Unterschied: Gründer investieren Ihre komplette Existenz, Ihr Leben; Investoren dagegen lediglich einen Obulus aus ihrer dick gefüllten Kriegskasse.

Die Pferdewetten-Analogie hat etwas für sich:

  • Bei den Pferdewetten trifft man wohlhabende, erfolgreiche Leute, die ihre Wetteinsätze lancieren – vergleichbar mit den Investoren, die Ihr Geld aus Steuerparadiesen heraus oder in Steuerparadiese hinein bewegen.
  • Die einer strengen Zuchtauslese unterworfenen Rennpferde mitsamt ihren Reitern sind vergleichbar mit den Gründern (die Reiter), die ein Startup-Konzept (das Pferd) und Ihre Existenz in die Waagschale werfen. Auch Startup-Konzepte werden (wie Rennpferde) einer strengen Auslese unterworfen: Diese nennt man Prüfung/Präsentation deines VC-Businessplans.
  • Und ja – wie beim Pferderennen gehört das Pferd nach einer ‚ersten Finanzierungsrunde‘ selten noch dem Reiter, sondern einem der weit oben auf der Tribüne steht und seine Wetteinsätze platziert hat.

Es gibt Seminare, die du als Startup teuer buchen kannst, nur damit man dir beibringt, wie du dein Rennpferd (den VC-Businessplan) richtig striegelst, auf dass es bzw. er für die Investoren gesund aussehe und glänze…

Es gibt Seminare, die dir beibringen, wie du dein komplettes Konzept in 2 min (!) als ‚Elevator-Pitch‚ vor Investoren präsentieren kannst. Auch diese Seminare kosten dein Geld und deine Zeit.

Es gibt eine Unzahl an Startup-Ratgebern, die du kaufen mußt…

Überhaupt – ist euch schon mal aufgefallen, an wievielen Stellen euch als Startups das Geld aus der Tasche gezogen wird?

IHR SELBST seid die Cash-Cow für andere Dienstleistungs-Unternehmen und eure Idee und billige Arbeitskraft ist die Cash-Cow für die Investoren.

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